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Lindenberg-Gymnasiasten in Verdun: Wir sind der Frieden, genauso wie ihr!

2014 jährt sich der Beginn des ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal. In dieser Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, mit seinen mörderischen Ausblutungsschlachten, fanden fast 10 Millionen Soldaten einen grausamen Tod, weitere 20 Millionen wurden verwundet und blieben lebenslang an Körper und Seele gezeichnet. Ganze Landstriche wurden verwüstet - von Granaten zerklüftet, durch Giftgas verseucht. Der erste Weltkrieg veränderte das Leben der Menschen und Staaten in Europa. Um den Gefallenen zu gedenken und die Gräueltaten nicht zu vergessen wurde das Projekt "100 Jahre erster Weltkrieg" vom Deutsch-Französischen Jugendwerk ins Leben gerufen und finanziell unterstützt. 70 Schülerinnen und Schüler aus Amiens und Ilmenau arbeiteten eine Woche gemeinsam mit ihren Lehrern zu diesem Thema.

"Wenn Luftballons fliegen" war das Motto der offiziellen Eröffnungsveranstaltung  im Juni 2014. Die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und Frankreich ließen dabei Luftballons mit Friedensbotschaften in die Luft steigen. Ein halbes Jahr bereiteten sich die beiden Schulen auf die Projektwoche vor. Unter anderem gestalteten wir Plakate, Collagen und Präsentationen zum Thema "1. Weltkrieg". Schließlich fanden wir uns am 17. November 2014 in Beaulieau en Argonne in Lothringen ein, um gemeinsam die Ergebnisse zu präsentieren und weiter zu arbeiten. Die 70 Schüler beider Nationen lebten in dieser Woche in der Jugendherberge "La Mazurie".

Im Rahmen des ersten Ausfluges am Dienstag nach Verdun besichtigten die Beteiligten verschiedene deutsche und französische Gedenk- und Grabstätten. Hunderttausende von jungen Männern kehrten nicht nach Hause zurück. Schwarze und weiße Kreuze sind auf zahlreichen Soldatenfriedhöfen zu sehen an. Im Beinhaus von Douaumont erinnern Überreste von 300000 gefallenen Soldaten, die nicht auf dem Schlachtfeld identifiziert werden konnten, an die Schlacht von Verdun 1916. Ein Bild, welches uns erschauern ließ, aber auch mahnte. 26 Millionen Granaten haben Körper zerfetzt und die Erde mit Blut getränkt.

In der Zitadelle von Verdun wurde uns während einer Fahrt durch die unterirdische Soldatenstadt anschaulich das Leben unter der Erde zwischen Granaten, Lazarett und Bäckerei näher gebracht. Wir waren sehr beeindruckt und fanden nur wenige Worte für das, was geschah. Über ehemalige Schlachtfelder ging es zu einer der am stärksten umkämpften Festungsanlagen: dem Fort Doument. Dort gewährte ein Historiker den Schülern detaillierte Einblicke in diese Zeit. Unvorstellbarer Lärm, Enge, Kälte, Hunger, Dreck, Unglücke und Katastrophen sowie der Tod waren dort die Begleiter am Tag ohne Licht und in der Nacht.

Am nächsten Tag erstellten die Jugendlichen eigene kreative Arbeiten zum Thema Krieg und Frieden. Es entstanden Postkarten, Bilder, Gedichte und eine Choreografie, von denen viele auf der web-Seite www.memoires-pour-la-paix.eu  zu finden sind. Die Friedenspostkarten werden an zahlreiche Adressen geschickt, um aufmerksam zu machen und unseren Willen zu bekunden. Am Nachmittag besichtigten wir eine Ausstellung zum 1.Weltkrieg in Verdun.

Am Donnerstag besuchte die Projektgruppe das Europäische Parlament in Straßburg. Dort wurden wir von einer Mitarbeiterin durch das Parlament geführt. In einem Plenarsaal fand zu dieser Zeit eine Debatte der Euroscola Institution statt, welche die Jugendlichen mit großem Interesse verfolgten. Der Wille nach Einigkeit, Freiheit und Frieden, sowie der Blick auf ein gemeinsames und gerechtes Europa waren an diesem Tag sehr stark zu spüren. Ein Bummel durch die wunderbare Stadt und ein gemeinsamer Abend rundeten diesen Tag ab.

Der letzte Tag der Woche stand im Zeichen des Abschiedes. Letzte Arbeiten für das Projekt wurden fertiggestellt und präsentiert. In einem Schreibgespräch reflektierten die Schüler die gemeinsame Projektwoche. Bei einem Abschiedsessen wurden Gastgeschenke ausgetauscht und schließlich machten sich die Schüler wieder auf den langen Weg nach Hause.

Das Projekt war insgesamt reich an Ergebnissen. Sachliche Kenntnisse, emotionale Momente und verbindende Aktivitäten werden noch lange in uns nachwirken. Die Schüler lernten viel Neues,  gewannen Eindrücke und sammelten Erfahrungen. Den Jugendlichen wurde bewusst, wie grausam der Krieg und wie wichtig der Frieden ist.“ Doch Frieden ist ein leeres Wort ohne die Menschen, die ihn formen“, so eine Schülerin nach der Zeit in Verdun.

Die Deutsch- Französische Freundschaft wurde gefestigt und wir wünschen uns sehr, dass es auch in Zukunft zu ähnlichen Projekten kommen wird. Wir bedanken uns bei allen, die dieses Projekt organisiert und finanziell unterstützt haben.   

                                                 Isabel,  Sarah, Ekatharina und Vanessa