Mit der Vernissage der Ausstellung „Really Lost Place“ präsentierten die Schülerinnen und Schüler des 11er Jahrgangs des Staatlichen Gymnasiums „Am Lindenberg“ Ilmenau die Ergebnisse eines außergewöhnlichen Kunstprojektes, das weit über den regulären Unterricht hinausging.
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Dozenten Robert Wiedemann von der Kulturfabrik der Arens-Stiftung Langewiesen. Gefördert wurde es durch die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Thüringen e. V. im Rahmen des Programms „Kunstgeld“, das die Zusammenarbeit von Schulen mit Kunst- und Kulturschaffenden der Region unterstützt.
Im Mittelpunkt stand ein Ort mit besonderer Geschichte: das ehemalige Henneberg-Porzellanwerk im Ilm-Werk. Über Jahrzehnte prägte die traditionsreiche Porzellanproduktion die Region. Heute befindet sich das weitläufige Areal im Wandel. Im Rahmen des Projektes „95“ entstehen hier schrittweise neue Räume für Gewerbe, Start-ups, Kultur, Sport und Freizeit. Das Gelände steht somit gleichermaßen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Die Schülerinnen und Schüler erkundeten ausschließlich diesen „Lost Place“ und hielten ihre Eindrücke fotografisch fest. Entstanden sind eindrucksvolle Arbeiten zu Themen wie Wand- und Oberflächenstrukturen, Treppenhäusern, ehemaligen Büros, Bildwänden, Stühlen, Scherben, Gardinen, Maschinen, Öfen und Formen. Das scheinbar unerschöpfliche Motivrepertoire eröffnete vielfältige künstlerische Perspektiven.
Die Ausstellung fragt nach der Ästhetik der Vergänglichkeit: Was geschieht mit einem Ort, wenn der Mensch ihn verlässt? Welche Spuren hinterlässt die Zeit? Gleichzeitig stellt sie die Frage, ob es sich überhaupt noch um einen „wirklich verlorenen Ort“ handelt, oder ob hier bereits ein zukunftsträchtiger Standort entsteht. Die Fotografien würdigen die Geschichte des Gebäudes und machen sein bedeutendes industrielles Erbe sichtbar.
Die erste Ausstellung und Vernissage fanden in den Räumen der Firma ISLE Automation GmbH in Ilmenau statt. Seit mehr als zwanzig Jahren besteht zwischen dem Fachbereich Kunst des Gymnasiums und dem Unternehmen eine enge Kooperation mit zwei wechselnden Ausstellungen pro Jahr. Die Schülerinnen und Schüler erhalten dadurch nicht nur Einblicke in Forschung und Technik, sondern präsentieren ihre Arbeiten zugleich an einem wichtigen Veranstaltungsort der „Langen Nacht der Wissenschaften“ der TU Ilmenau.
Zur Vernissage am 20. Juni konnten zahlreiche Gäste begrüßt werden. Die Ausstellung wurde von Herrn Reimann, Geschäftsführer der Firma ISLE, eröffnet. Robert Wiedemann würdigte in seinem Beitrag die herausragende Zusammenarbeit mit dem Jahrgang und die hohe Qualität der entstandenen Arbeiten. Auch Frau Sommermeyer, Kulturagentin der Schule, nahm persönlich an der Veranstaltung teil.
Musikalisch wurde die Vernissage von Estell Wischnewski am Cello begleitet. Im Namen der Schülerschaft sprach Leon Hellmann einige reflektierende Worte. Unter den Gästen befanden sich neben zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Firma ISLE, darunter Frau Potje als wichtiges Bindeglied zwischen Schule und Unternehmen, auch ehemalige Beschäftigte des Porzellanwerks. Besonders erfreulich war die Anwesenheit von Frau Kuchorz, einer ehemaligen Porzellinerin, sowie von Herrn Hubert, dem Gründer der damaligen Porzellanzeitung, der die fotografische Dokumentation der Vernissage übernahm.
Das Projekt wurde vom gesamten Fachbereich Kunst des Gymnasiums begleitet. Die betreuenden Lehrkräfte Frau Eger-Pfützner, Frau Brüstel, Frau Kleber und Frau Wischnewski. Die ehemalige Kollegin Frau Macholdt sowie weitere Lehrer besuchten die Vernissage.
Für die Schülerinnen und Schüler stellte „Really Lost Place“ eine wertvolle Erfahrung dar, die weit über den Kunstunterricht hinausreichte: Sie setzten sich mit regionaler Geschichte auseinander, entwickelten ihre fotografischen Fähigkeiten weiter und lernten, einen Ort zwischen Verfall und Aufbruch mit künstlerischem Blick neu zu entdecken.
Im Dezember 2026 wird die Ausstellung in die Kulturfabrik nach Langewiesen umziehen.
Sibylle Eger-Pfützner
Fachlehrerin für Kunsterziehung, Russisch, DG und MBI
Fachleiterin Fachschaft Kunst, Projektkoordination
Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit


