Schüleraustausch mit dem Liceo Enrico Fermi di Salò – gelebte europäische Partnerschaft

Im Mai 2025 reisten 36 Schülerinnen und Schüler des Staatlichen Gymnasiums „Am Lindenberg“ Ilmenau nach Salò, einer malerischen Stadt am Westufer des Gardasees in der norditalienischen Region Lombardei. Eingebettet zwischen See und Alpen bietet Salò mit seiner historischen Altstadt, der Uferpromenade und den engen Gassen eine reizvolle Kulisse, die zugleich zum Erkunden und zum Lernen einlädt. Während 19 Ilmenauer Jugendliche in Gastfamilien untergebracht waren, nahmen weitere 17 an einem Erasmus-Kunstprojekt teil, das künstlerische Formen und interkulturelle Zusammenarbeit miteinander verband.

Rückbesuch in Ilmenau

Vom 14. bis 19. September 2025 fand der Gegenbesuch statt: 18 italienische Schülerinnen des Liceo Statale Enrico Fermi, begleitet von ihren Lehrerinnen Emilia Begnadi und Claudia Schwarzer, reisten per Bahn nach Thüringen. Am Bahnhof Ilmenau wurden sie herzlich von ihren Gastfamilien empfangen.

Der erste Schultag begann mit einem offiziellen Empfang am Gymnasium „Am Lindenberg“, einem Rundgang durch die Schule und Icebreaker-Spielen, die das gegenseitige Kennenlernen erleichterten. Anschließend nahmen die Gäste am Unterricht teil, bevor eine Stadtrallyedurch Ilmenau auf dem Programm stand. Der Abend bot Zeit, die deutsche Lebensweise in den Gastfamilien zu erleben.

Exkursion nach Erfurt – Stadtgeschichte lebendig erleben

Ein Höhepunkt der Woche war der Besuch der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt. Bereits am Vortag hatten sich die Gruppen mit der Geschichte der Stadt und besonders mit dem Dom St.Marien beschäftigt. In einem Workshop entstanden kreative Graffiti-Arbeiten, inspiriert von gotischen Formen und Motiven aus dem Dom und der Stadt.

Am Dienstag wurden zudem im Atrium der Schule die Ergebnisse des im Mai in Salò durchgeführten Kintsugi-Workshops präsentiert. Die Technik des Kintsugi – eine japanische Kunst, zerbrochene Gegenstände mit Gold zu reparieren – war von den Schülerinnen und Schülern auf Objekte und Plakate übertragen worden. Gemeinsam mit den Graffiti-Arbeiten sowie Acrylbildern, die für den 72. Europäischen Wettbewerb entstanden, bildete sich so eine umfangreiche und eindrucksvolle Ausstellung, die von allen Teilnehmenden mit großem Interesse wahrgenommen wurde.

Am Mittwoch führte der Ausflug nach Erfurt zunächst durch die historische Altstadt mit Krämerbrücke und historischer Architektur, bevor der Dom besichtigt wurde – ein bedeutendes Bauwerk des Mittelalters, dessen Geschichte bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht. Anschließend erklommen die Schülerinnen und Schüler den Petersberg, wo eine Führung durch die Zitadelle Petersberg stattfand. Diese Festungsanlage zählt zu den größten Stadtfestungen Europas und spielte über Jahrhunderte eine Schlüsselrolle im militärischen und städtischen Leben Erfurts.

Am Nachmittag folgte ein Besuch der Alten Synagoge, die als eine der ältesten, weitgehend erhaltene Synagoge Mitteleuropas gilt. Die eindrucksvolle Ausstellung zum Erfurter Schatz und die Geschichte jüdischen Lebens in Thüringen hinterließen einen bleibenden Eindruck. Nach etwas Freizeit in der Innenstadt ging es zurück nach Ilmenau.

Naturerlebnis Kickelhahn

Am Donnerstag, dem letzten vollen Tag, führte eine Wanderung auf den Kickelhahn, den Ilmenauer Hausberg, in die Natur. Nach einem längeren Aufstieg erreichte die Gruppe das Goethehäuschen, wo Johann Wolfgang von Goethe sein berühmtes Gedicht „Wandrers Nachtlied“ verfasste, sowie den Aussichtsturm mit weitem Blick über den Thüringer Wald. Belohnt wurde die Anstrengung mit Thüringer Bratwürsten. Am Nachmittag rundete eine gemeinsame Reflexion und Auswertung die Woche ab, bevor es zum gemeinsamen Abschluss auf die Bowlingbahn ging.

Europäische Partnerschaft mit Zukunft

Die Begegnungswoche wurde intensiv vorbereitet und begleitet durch das Europa-Team des Gymnasiums, insbesondere von Frau Schneider.   Die Aktivitäten wurden unterstützt und durchgeführt von Herrn Rammner, Frau Eger-Pfützner, Frau Sperling und Herrn Borst. Der Austausch steht in der Tradition der Erasmus-Plus-Partnerschaften, die am Lindenberg-Gymnasium seit Jahren gepflegt werden. Sie eröffnen Jugendlichen die Möglichkeit, Europa im direkten Kontakt zu erleben, interkulturelle Freundschaften zu knüpfen und ihre Sprachkenntnisse anzuwenden.

Ein besonderer Dank gilt den Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 10 bis 12, die durch ihr Engagement und ihre Gastfreundschaft zum Gelingen beitrugen, sowie den beteiligten Eltern, die durch ihre Unterstützung erst die Unterbringung und die persönliche Begegnung ermöglichten.

Die Partnerschaft mit dem Liceo Enrico Fermi di Salò hat sich inzwischen zu einer lebendigen Tradition entwickelt – ein Beispiel dafür, wie europäische Zusammenarbeit im Alltag erfahrbar wird. Darüber hinaus bot der Austausch den italienischen Jugendlichen zahlreiche Gelegenheiten, ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen und in authentischen Situationen anzuwenden.

Sibylle Eger-Pfützner


Fachlehrerin für Kunsterziehung, Russisch, DG und MBI
Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit der Schule
Landesbeauftragte des Europäischen Wettbewerbs Thüringen
sibylle.eger-pfuetzner@schule.thueringen.de